In einer von starren Retainer-Verträgen und LinkedIn-Hype dominierten Agenturwelt bricht Sean Chaudhary, Gründer von Alchemy Leads, mit den klassischen Regeln. Im Gespräch mit Sammy von Collaborator Pro teilt er seine unkonventionellen Ansichten über das No-Contract-Modell, den echten Nutzen von künstlicher Intelligenz, den Unterschied zwischen „sexy“ und profitablen Branchen sowie die Entwicklung von klassischem SEO hin zu GEO (Generative Engine Optimization).
Hier sind die essenziellen Kernpunkte und Learnings aus dem über einstündigen, tiefgründigen Gespräch:
1. Das „No-Contract“-Modell: Vertrauen schlägt Verträge
Die meisten Agenturen setzen auf langfristige Laufzeitverträge, um ihre Einnahmen zu sichern. Sean Chaudhary macht das Gegenteil: Seine Agentur arbeitet komplett ohne Verträge [00:36].
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Fokus auf Umsatz statt Traffic: Viele SEOs konzentrieren sich zu Beginn auf Rankings oder Traffic. Doch Kunden wollen am Ende nur eines: Umsatz [01:43]. Wenn der Umsatz stimmt, verzeihen Kunden auch kurzfristige Traffic-Schwankungen [02:14].
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Das Problem mit Jahresverträgen: Wer einen fixen Vertrag über 10.000 $ im Monat hat, neigt oft dazu, das monatliche Budget zu drosseln, um die eigene Gewinnmarge zu maximieren [05:37]. Im No-Contract-Modell ist die Agentur gezwungen, das Budget von Tag eins an voll auszuschöpfen, um sofortige Ergebnisse zu liefern [05:52].
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Überlieferung in den ersten Monaten: Die ersten 6 bis 9 Monate entscheiden über die Kundenbindung [04:08]. Wer hier massiv abliefert und das Vertrauen gewinnt, hält Kunden oft über ein Jahrzehnt – ganz ohne vertragliche Bindung [06:43].
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Kombination aus Ads und SEO: Um Kunden schnell ROI (Return on Investment) zu zeigen, schaltet Sean für SEO-Kunden oft im ersten Monat Werbeanzeigen (Ads) ohne zusätzliche Management-Gebühr [03:36]. Läuft das Geld erst einmal rein, ist die Vertrauensbasis für die langfristige SEO-Strategie gelegt [03:59].
2. Die Wahrheit über KI: Hype vs. Realität
Sowohl Sammy als auch Sean blicken kritisch auf die extreme Polarisierung in der Tech-Welt – zwischen denjenigen, die KI komplett ablehnen, und denjenigen, die glauben, nächste Woche alle Mitarbeiter entlassen zu können [19:10].
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KI hat keinen Geschmack: KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber sie besitzt keine Intuition, keinen Geschmack und keine Wahrnehmung [25:51]. Es braucht immer einen Menschen für die finale Qualitätskontrolle [25:57]. Wer KI-Müll ungesehen als Facebook-Ads ausspielt, ruiniert seine Marke [26:04].
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Die Gefahr für Einstiegsjobs: Rollen im Junior-Bereich (wie Einstiegs-Buchhalter oder Junior-Texter) werden als erstes verschwinden, da erfahrene Seniors ihre Arbeit mithilfe von KI heute selbst in Sekunden miterledigen können [26:18].
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Der historische Vergleich zur Dotcom-Blase: Ein Kunde von Sean (ein CMO aus den 2000ern) zog einen spannenden Vergleich: Während der Dotcom-Blase wussten alle, dass das Internet alles verändern würde, doch der Markt war überbewertet und die Blase platzte [23:41]. Erst 10 Jahre später (mit dem iPhone, dem App Store und schnellem Amazon-Versand) wurde die Vision Realität [23:59]. Ähnlich verhält es sich mit KI in 2026: Der Hype ist riesig, die echten, tiefgreifenden Veränderungen werden sich aber organisch über die nächsten Jahre entfalten [24:46].
3. „Boring Businesses“: Wo das echte Geld liegt
Ein häufiger Fehler junger Agenturen ist es, Projekte nach ihrer „Sexyness“ zu bewerten [15:26].
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Seans Kundenstamm teilt sich in 50 % modernes E-Commerce und 50 % Industrie, Handwerk und Baugewerbe (z. B. Hersteller von Satelliten-Batterien) [14:40].
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Diese traditionellen, vermeintlich „langweiligen“ physischen Unternehmen haben echtes Geld, reale Umsätze und sind krisensicher, da sie nicht durch einen einfachen KI-Bot ersetzt werden können [16:23].
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Einfache Hebel, riesige Wirkung: Viele dieser Multi-Millionen-Unternehmen arbeiten noch mit Excel-Tabellen oder Notizbüchern statt einem CRM-System [16:50]. Als Agentur kann man hier schon mit simpelsten Digitalisierungs-Schritten (wie der Einführung eines CRMs) einen massiven Mehrwert bieten [17:09].
4. GEO vs. Klassisches SEO (Search Everywhere Optimization)
Wenn Kunden nach GEO (Generative Engine Optimization) fragen, tun sie das oft, weil sie es auf CNBC oder LinkedIn gelesen haben [47:50].
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Alter Wein in neuen Schläuchen: Viele „neue“ GEO-Konzepte sind eigentlich uralte SEO-Praktiken unter neuem Namen [47:02]. „Topical Authority“ basiert auf den Content-Silos der 90er-Jahre [50:10], und das heutige KI-„Chunking“ erinnert stark an die Formatierung für Rich Snippets [50:45].
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Von Google zu „Search Everywhere“: Die wahre Evolution von SEO zu GEO bedeutet heute, nicht mehr nur für Google zu optimieren, sondern eine Omnipräsenz aufzubauen [51:04]. KI-Modelle ziehen ihre Daten von überall: Reddit, Amazon, Facebook-Gruppen, Wikipedia, YouTube und Instagram [51:10]. Wer in den KI-Antworten stattfinden will, muss auf all diesen Plattformen stattfinden [51:22].
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KI-Zitate (Grounding Citations): Statt minderwertige Backlinks auf wahllosen Blogs aufzubauen, geht es bei GEO darum, dort genannt zu werden, wo die LLMs nach vertrauenswürdigen Quellen suchen (z. B. Branchenverzeichnisse wie ThomasNet im Industriebereich) [29:45].
5. Agentur-Mythen & Philosophische Learnings
Im „Rapid Fire“-Abschnitt am Ende räumen die beiden mit typischen Guru-Ratschlägen auf:
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Das Produktisierungs-Paradoxon: Gurus predigen oft, man solle seine Dienstleistungen strikt standardisieren (Paket A, Paket B) [38:14]. Sean widerspricht: Jedes Enterprise-Unternehmen hat komplett andere Baustellen [39:11]. Die eine Website braucht Content, die andere technisches Aufräumen (z.B. kaputte Canonical-Tags) [40:27]. Flexibilität bringt die beste Kundenbindung [43:48].
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Die rote Flagge bei Kunden: Wenn ein potenzieller Kunde im Erstgespräch erzählt, dass alle 5 vorherigen Agenturen „schrecklich waren und nur versagt haben“, liegt das Problem meistens beim Kunden selbst [58:21]. Ein guter Kunde muss intern Prozesse freigeben können; dauern Entscheidungen dort Monate, scheitert jede Agentur [58:52].
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Das Ego-Problem mit der Teamgröße: Viele Agenturinhaber definieren ihren Erfolg über die Anzahl der Mitarbeiter („Wir sind ein 400-Mann-Team“) [01:00:19]. In Wahrheit holt man sich mit zu schnellem Wachstum und zu viel Delegation oft nur administrative Probleme ins Haus [01:00:30].
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„Bigger isn’t always better“: Am Ende des Tages betonen beide die Wichtigkeit von mentaler Gesundheit und Authentizität [56:33]. Ein lokaler Handwerker mit zwei Angestellten, der ein gutes Einkommen erzielt und Zeit für seine Familie hat, lebt oft ein glücklicheres Leben als der gestresste Inhaber einer Riesen-Agentur mit Herzrasen und schlaflosen Nächten [01:07:38].
