Wer an die Schweiz denkt, denkt an die Alpen, Banken, Präzision und Innovation. Die Seeschifffahrt gehört meist nicht zu den ersten Assoziationen. Dabei spielt der maritime Handel für die Schweizer Wirtschaft eine weit größere Rolle, als viele vermuten.
Rund 80 bis 90 Prozent des weltweiten Warenhandels nach Volumen werden über den Seeweg abgewickelt. Auch für ein Binnenland wie die Schweiz sind funktionierende Schifffahrtsrouten deshalb von entscheidender Bedeutung. Rohstoffe, Energie, Lebensmittel und Vorprodukte gelangen über die Weltmeere in internationale Lieferketten – und bilden die Grundlage für zahlreiche Schweizer Industrien.
Doch die Schweiz ist weit mehr als nur Nutzer dieser globalen Handelswege. Sie hat sich zu einem bedeutenden Standort für Rohstoffhandel, Logistik, Schiffsmanagement, maritime Finanzierung und Versicherungen entwickelt. Schweizer Unternehmen tragen dazu bei, dass Hunderte von Handelsschiffen weltweit betrieben, finanziert und abgesichert werden. Damit ist die Schweiz ein wichtiger Knotenpunkt der internationalen maritimen Wirtschaft – obwohl sie keinen direkten Zugang zum Meer besitzt.
Diese Verbindung zur Schifffahrt hat auch historische Wurzeln. Während des Zweiten Weltkriegs baute die Schweiz eine eigene Hochseeflotte auf, um die Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern sicherzustellen. Die Schweizer Hochseeschifffahrt existiert bis heute – wenn auch in deutlich kleinerem Umfang – und steht sinnbildlich für das Bestreben, die Versorgungssicherheit des Landes auch in Krisenzeiten zu gewährleisten.
Die Geschichte zeigt: Wirtschaftlicher Einfluss hängt nicht zwangsläufig von geografischen Voraussetzungen ab. Die Schweiz beweist seit Jahrzehnten, dass ein Binnenland durch Know-how, internationale Vernetzung und unternehmerische Weitsicht eine Schlüsselrolle im globalen Handel einnehmen kann.
Oder anders formuliert: Man braucht keinen Hafen, um eine maritime Nation zu sein.
